Geschichte für alle - Führungen in Leichter Sprache durch den Erinnerungsort Topf & Söhne

Die Firma J.A. Topf & Söhnen baute Leichenverbrennungsöfen für die Konzentrationslager und beteiligte sich mit ihrer Technik am Völkermord an Juden, Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau.

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Firmengelände der Erinnerungsort Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz. Er bietet in Kooperation mit Barriererei erinnen - Das Zentrum für Thüringen Führungen in Leichter Sprache an. Dabei erhalten die Teilnehmer*innen einen Einblick in die Geschichte des Nationalsozialismus und der Beteiligung der Erfurter Firma an den Massenverbrechen.

Das barrierefreie Angebot ermöglicht Menschen mit Behinderung und Menschen mit Sprachbarrieren die Teilhabe an historisch-politischen Bildungsangeboten in Erfurt.

Projekstart "Barrierefrei erinnern - Das Zentrum für Thüringen"

Projekt „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ bietet Möglich-keiten für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Leichter Sprache an

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie der Erinnerungsort Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz, die Lebenshilfe Thüringen und die Lebenshilfe Erfurt starten am 28. Februar 2020 ein neues Projekt zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Leichter Sprache. Millionen Menschen – Juden, Sinti, Roma, Menschen mit unheilbaren Krankheiten und Behinderungen – wurden von 1939 bis 1945 systematisch verfolgt, gefoltert, ermordet und als „lebensunwert“ aussortiert. Darüber wollen die Projektpartner in Leichter Sprache informieren, aufklären und ins Gespräch kommen.

Das Projekt „Barrierefrei erinnern“ bietet inklusive Angebote zur Erinnerung und Aufarbeitung für Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen mit Migrationshintergrund durch Übersetzung von Ausstellungsstücken und Führungen in Leichter Sprache an. Ziel des Projektes ist die Schaffung eines institutionellen Netzes, das für Menschen, die in der Kommunikation und Interaktion auf Leichte Sprache angewiesen sind, über Thüringen hinaus langfristig inklusive Angebote zur Verfügung stellt.

Menschen mit Behinderungen sind immer öfter auch Ziel aktueller menschenverachtender und rechtsextremistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft. Außerdem werden sie gezielt durch rechtsextreme Personengruppen und –vereinigungen angesprochen, um sie für ihre Interessen zu instrumentalisieren. Das Projekt „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ will daher insbesondere Menschen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland aufklären, um sie zu stärken und den Gefahren menschenfeindlicher und rechtsextremer Tendenzen selbstbestimmt und aktiv begegnen zu können. Auf dieser Grundlage können sie eigene selbstbestimmte Entscheidungen aktiv treffen und sind in der Lage, sich gegen die Gefahr der Instrumentalisierung durch rechtsextreme Tendenzen zu wehren.

Zum Start des Projektes sagt Katja Heinrich, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Thüringen: „Menschen mit Behinderungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen starben zwischen 1939 und 1945 den Hungertod, wurden vergast oder durch Medikamente getötet. Es fällt schwer, diesen Teil der Vergangenheit zu erfassen und zu begreifen. Doch es ist wichtig, zu verstehen und Schlussfolgerungen für unser heutiges Tun und Handeln zu ziehen. Unser Projekt will hierzu inklusive Bildungs- und Informationsangebote im Sinn kultureller Teilhabe schaffen und einen Beitrag dazu leisten, dass die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden.“

Für Menschen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung, für Menschen mit Lernschwierigkeiten und auch für Menschen mit Migrationshintergrund existieren bisher nur wenige Informations- und Bildungsangebote über die Verbrechen des Nationalsozialismus und über aktuelle Gefahren der Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen oder auch anderer Menschengruppen. Die bestehenden Angebote sind auf Grund der Art der Visualisierung und Aufarbeitung nicht barrierefrei zugänglich. In den kommenden Jahren werden die Projektpartner gemeinsam daran arbeiten, diese Barrierefreiheit herzustellen.

„Insbesondere in der aktuellen politischen Zerrissenheit unseres Landes, wird es immer wichtiger alle Menschen durch Aufklärung gegen rechts zu sensibilisieren. Nur so kann es gelingen, die Brandmauer gegen Rechtsextremismus zu halten und unsere wehrhafte Demokratie beständig zu stärken.“ so Uwe Kintscher, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Erfurt-Gruppe.

Foto: Lebenshilfe Erfurt e.V. (v.l.n.r. A. Eisenack (LHW We/Ap), A. Schneider (Projektleiterin), S. Pohlan, K. Albrecht (LH Erfurt e.V.). C. Müller (Projektmitarbeiterin)
Foto: Lebenshilfe Erfurt e.V. (v.l.n.r. A. Eisenack (LHW We/Ap), A. Schneider (Projektleiterin), S. Pohlan, K. Albrecht (LH Erfurt e.V.). C. Müller (Projektmitarbeiterin)
 
 
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Weitere Veranstaltungshinweise

12.0. - 20.09.2020 Ausstellung "Euthanasie T4" des LebenshilfeWerkes Weimar/Apolda e.V. im Hotel MonAmi 

12.09.2020, 15:00 Uhr Ausstellungseröffnung gemeinsam mit dem Schirmherrn, Oberbürgermeister Peter Kleine, Stadt Weimar 

16.09.2020, 19:00 Uhr Podiumsdiskussion 

19.09.2020, 16:00 Uhr Szenische Lesung "Komm-Schöner Tod" 

 
 
 
 

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